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Wo erfolgt die stationäre Aufnahme?

Um eine optimale Betreuung Ihres Kindes während des Aufenthalts zu ermöglichen, erfolgt die stationäre Aufnahme in der Kinderklinik auf Station Sonneninsel in Haus D 31. Die neue Umgebung ist oft befremdlich für die kleinen Patienten, werden sie doch aus ihrer gewohnten Umgebung herausgenommen und sie schlafen oft unruhig. Während dieser Zeit ist es für das Wohl Ihres Kindes sehr wichtig, dass Vater oder Mutter stets bei ihm sein können. Daher wird befürwortet, dass ein Elternteil mit aufgenommen wird. Der Elternteil, meist die Mutter, bekommt ein Bett im Zimmer des Kindes zur Verfügung gestellt und wird auch mit Essen versorgt.

Was sollten Sie ins Krankenhaus mitbringen?

Das Allerwichtigste für das Kind sind vertraute Spielsachen, das Lieblingsstofftier oder eine Kuscheldecke. Damit erleichtern Sie dem Kind das Eingewöhnen in die fremde Umgebung und das fremde Bett. Bei der Kleidung ist darauf zu achten, dass möglichst die Oberteile nicht über den Kopf gezogen werden müssen, da die Berührung der Wunde auf der Lippe unangenehm ist. Außerdem sollten die Ärmel weit genug sein, da nach der Operation für einige Zeit die Kinder eine Infusion (Schläuche) an der Hand haben. Auch die Kleidung der Mutter, die nachts bei dem Kind bleibt, sollte bequem und leicht sein. Bewährt haben sich für die Nacht leichte Jogginganzüge statt Nachthemden, da sie nachts öfters das Zimmer verlassen muss, um beispielsweise Milch oder andere Nahrung für das Kind zu holen.

Welche Termine müssen vor der Operation wahrgenommen werden?

Die stationäre Aufnahme erfolgt meist mittwochs, zwei Tage vor der geplanten Operation, sodass die noch anstehenden Untersuchungen in Ruhe durchgeführt werden können. Zu den erforderlichen Untersuchungen zählen:

Am Mittwoch:

Am Mittwoch oder Donnerstag:

  • Narkosefähigkeitsuntersuchung auf der Station Sonneninsel durch Narkoseärzte (Anästhesisten)
  • Untersuchung in der HNO-Klinik (Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie) zum Hörtest und zur Abklärung der Notwendigkeit einer Paukendrainage
  • Ausschleifen der Gaumenplatte vor dem Lippenverschluss in der Poliklinik für Kieferorthopädie
  • Operationsbesprechung mit den Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen

Wann die Termine wahrgenommen werden müssen, wird Ihnen am Tag der stationären Aufnahme mitgeteilt.

Was ist am Tag oder in der Nacht vor der Operation zu berücksichtigen?

Die Kinder müssen bis zu einem Alter von zwei Jahren am Operationstag nachts ab 2:00 Uhr nüchtern sein, ab dem Alter von zwei Jahren ab Mitternacht. Diese letzte Nahrungsaufnahme vor der Operation sollten die Kinder unbedingt erhalten, auch wenn sie dafür geweckt werden müssen, da sonst die Zeit bis zur nächsten Nahrungsaufnahme zu lang ist. Ältere Schulkinder dürfen ab 22:00 Uhr am Vorabend der Operation nichts mehr essen und trinken.

Wie sieht der Tag der Operation aus?

Die Operation findet meist am Freitag in der Operationsabteilung der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie statt. Die Operationen erfolgen unter Vollnarkose. Sie und Ihr Kind werden am Freitagmorgen um ca. 7:30 Uhr in Begleitung einer Schwester oder eines Pflegers in die Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie gefahren. Sie übergeben Ihr Kind den Schwestern an der Schleuse zum Operationsbereich, wo Sie es nach dem Eingriff wieder erwarten. Nach der Operation und der Aufwachphase werden Sie und Ihr Kind wieder in die Kinderklinik zurückgebracht.

Wie gestalten sich die Tage nach der Operation?

Die ärztliche Betreuung Ihres Kindes wird sowohl von den Kinderärzten der Kinderklinik als auch von den Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen übernommen. Für einen komplikationslosen Heilungsverlauf sind in der Regel tägliche Kontrollen der Operationswunde sehr wichtig. Außerordentlich wichtig ist aber auch die liebevolle Betreuung durch die Eltern. Wichtige Termine während des stationären Aufenthalts sind:

  • Am ersten bis fünften Tag nach der Operation (nur Lippenverschluss): Nach dem Nahtverschluss der Lippe erfolgt ein zusätzliches Aufkleben von breiten Pflasterstreifen (zum Beispiel Steristrips) zum Schutz der Naht (Abb. 1). Diese Pflasterstreifen belässt man bei gutem Halt und werden durch den betreuenden Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen, der Ihr Kind täglich in der Klinik besucht, gegebenenfalls ausgewechselt. Nach der Entfernung des Nahtmaterials an der Lippe (siehe unten) ist in der Regel kein Pflasterverband mehr erforderlich.

Abb. 1: Pflasterstreifen zum Schutz der Naht
Abb. 1

  • Am fünften Tag nach der Operation (nur nach Lippenverschluss): Entfernung des Nahtmaterials der Oberlippenhaut. Dies erfolgt ebenfalls im Operationsbereich der Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Die Nahtentfernung erfolgt in einer Kurznarkose.
  • Am sechsten oder siebten Tag nach der Operation: Kontrolluntersuchung durch Hals-Nasen-Ohrenärzte, falls während der Operation auch eine Parazentese durchgeführt oder ein Paukenröhrchen gelegt wurde (Hals-Nasen-Ohrenheilkunde).
  • Am zehnten Tag nach der Operation: Entfernung des Nahtmaterials an den Schleimhäuten im Mundbereich nach Lippen- oder Gaumenverschluss. Dies erfolgt ebenfalls in einer Kurznarkose im Operationsbereich der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie.
  • Am Nachmittag des zehnten Tages: Entlassung aus der stationären Behandlung nach Terminvereinbarung zur Kontrolluntersuchung in der interdisziplinären Spaltsprechstunde (Erstkontrolle: zwei bis vier Wochen nach der Operation).

Wie werden die Kinder nach der Operation ernährt?

Sie müssen keine eigene Milch oder Gläschen mitbringen. In der Kinderklinik wird die Ernährung auf das Alter und die jeweilige Operation abgestimmt. Ihr Kind kann nach der Operation recht bald wieder trinken oder gestillt werden und muss nur in Ausnahmefällen nach einer Kieferspaltosteoplastik mit einer Sonde ernährt werden. Wann nach der Operation Ihr Kind wieder essen und trinken darf, bestimmt der Narkosearzt. Dies ist in der Regel vier Stunden nach dem Eingriff.

Nach dem Lippenverschluss wird die Gaumenplatte möglichst ohne Haftcreme wieder eingesetzt und Ihr Kind erhält vor allem Tee aus einem Langhalssauger, um die Nähte und die Wunde nicht zu verletzen. Die Verwendung solch eines Langhalssaugers sollte bereits einige Zeit vor der Operation geübt werden.

In den ersten drei Tagen nach dem Gaumenverschluss bekommt Ihr Kind in einer Tasse (Abb. 2a, b) oder Schnabeltasse oder mit einem Löffel klarflüssige Kost. Diese Kost darf keine Milch und Bindemittel enthalten. Spinat, grünes Gemüse und passiertes Fleisch sollten vermieden werden. Ab dem vierten Tag nach der Operation darf Ihr Kind alles außer Spinat, grünem Gemüse und passiertem Fleisch essen, allerdings in breiflüssiger, eventuell verdünnter Konsistenz. Eine Woche lang nach der Nahtentfernung sollte das Essen noch passiert werden, danach sind die Wunden so weit abgeheilt, dass Ihr Kind wieder normal essen kann.  

Abb. 2a: Tasse mit Aussparung für die Nase
Abb. 2a
Abb. 2b: Tasse mit Aussparung für die Nase
Abb. 2b

Wie werden die Nähte nach der Operation gepflegt?

Da Säuren die Nähte reinigen, wird empfohlen, nach jeder Mahlzeit dem Kind mindestens zehn Löffel Apfelsaft oder gesiebten Orangensaft zu geben. Generell sollten die Kinder nach der Operation viel Saft und Tee trinken. Damit die Nähte nicht beschädigt werden, dürfen bis zu deren Entfernung auf keinen Fall Beruhigungssauger oder Flaschen verwendet werden. Damit die Wundheilung schnellstmöglich und komplikationslos verläuft, ist es am besten, wenn die Kinder wenig schreien, da dabei die Spannung auf die Naht groß ist. Daher ist die Betreuung und Beruhigung der Mutter oder des Vaters, von denen immer einer bei dem Kind bleiben sollte, sehr wichtig.

Warum erhalten die Kinder nach der Operation Armschienen?

Damit das Kind nach der Operation nicht mit seinen Händen an die operierte Lippe oder den Gaumen greifen kann, erhält es nach Ihrer Einwilligung während des Klinikaufenthaltes Armschienen, um einen komplikationslosen Heilungsverlauf zu ermöglichen. Ihr Kind kann damit die Ellenbogen zwar nicht mehr beugen, kann aber mit seinen Händen noch spielen. Die Kinder gewöhnen sich recht schnell daran und kommen gut damit zurecht.

Warum dürfen die Kinder nach der Operation nur auf dem Rücken schlafen?

Zur Schonung des Operationsgebietes sollten die Kinder nach dem Eingriff bis zur Entfernung des Nahtmaterials nur auf dem Rücken schlafen, um das Operationsgebiet nicht einer unnötigen Druck- und Zugbelastung auszusetzen.

Was ist bei den Operationen im Schulkindalter, z. B. bei der Osteoplastik zu berücksichtigen?

Die stationäre Aufnahme erfolgt ebenfalls meist am Mittwoch, die Operation findet allerdings manchmal bereits am Donnerstag statt, da außer der Aufnahme- und Narkosefähigkeitsuntersuchung auf der Station Sonneninsel und der Operationsbesprechung in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie keine Vorbereitungen zu treffen sind. Der organisatorische Ablauf ist identisch mit jenem der Lippen- und Gaumenoperation. Nach der Operation muss allerdings drei bis fünf Tage lang Bettruhe eingehalten werden, da aus dem Beckenkamm Knochen entnommen wurde. Danach darf sich das Kind unter krankengymnastischer Anleitung bewegen. Die Nahtentfernung erfolgt auch am zehnten Tag nach der Operation. Das Kind wird zwischen dem elften und vierzehnten Tag nach Hause entlassen. Die Nahrung ist in den ersten elf Tagen klarflüssig, dann breiflüssig. Zu Hause sollte das Kind für weitere drei bis vier Wochen weiche Kost bekommen.

Dürfen Geschwisterkinder ihre Schwester oder ihren Bruder besuchen?

Geschwisterkinder können ihre Schwester oder ihren Bruder gerne auf der Station Sonneninsel besuchen. Zuvor werden die Geschwisterkinder von einem Stationsarzt kurz untersucht, um zu vermeiden, dass sie die Patienten mit Kinderkrankheiten anstecken. Zusammen können auch Spaziergänge in dem weitläufigen Klinikgelände unternommen werden.

Kann das Kind normal geimpft werden?

Immer wieder stellen Eltern die Frage, ob und wie die Spaltkinder geimpft werden müssen. Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Segelspalten erhalten die selben Impfungen, wie jedes andere Kleinkind auch. Zusätzliche Impfungen sind nicht notwendig. Allerdings sollte man darauf achten, dass ca. vier Wochen vor und nach einer Operation keine Impfungen gegeben werden.

Und allgemein ...

Ein Klinikaufenthalt bedeutet für das Kind immer eine fremde Umgebung. Jedoch sind Kinder sehr anpassungsfähig. Sie können bei den Operationen im Kleinkindalter zwar noch nicht selbst sagen, dass sie Angst haben oder das fremde Bett nicht mögen, sie verstehen jedoch schon sehr früh die Sprache, die ihre Gefühle, ihre Sorgen und Ängste aufgreift. Deshalb sollten Sie mit Ihrem Kind reden, wenn Sie seine Unruhe, Verunsicherung und Ängstlichkeit spüren. Ihre Anteilnahme beruhigt das Kind und gibt ihm Sicherheit. Natürlich hilft es dem Kind besonders auch einfach liebevoll im Arm gehalten zu werden.